Wie gehe ich mit einem Menschen mit Demenz um?

von Aaliyah Navyk

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, verändert sich nicht nur sein Alltag, sondern häufig auch das Zusammenleben mit Familie und Freund*innen. Gespräche werden schwieriger, Dinge werden vergessen oder verwechselt und manchmal entstehen Situationen, die für Angehörige nur schwer nachzuvollziehen sind.

 

Dabei ist wichtig zu verstehen: Viele Reaktionen entstehen nicht mit Absicht. Menschen mit Demenz nehmen ihre Umgebung zunehmend anders wahr. Was für Außenstehende eindeutig erscheint, kann für die betroffene Person verwirrend oder sogar beängstigend sein. Genau deshalb hilft es oft mehr, Sicherheit zu vermitteln, als auf Fakten und Logik zu bestehen.

 

Nicht immer korrigieren

 

Ein häufiger Impuls ist es, falsche Aussagen sofort richtigzustellen. Doch genau das kann zu Frust, Unsicherheit oder Streit führen. Wenn beispielsweise eine ältere Frau davon überzeugt ist, dass sie nach Hause zu ihrer Mutter müsse, hilft der Hinweis, dass ihre Mutter längst verstorben ist, meistens nicht weiter.

 

Stattdessen kann es sinnvoll sein, auf das Gefühl hinter der Aussage einzugehen. Vielleicht fühlt sie sich gerade unsicher oder sucht einen vertrauten Ort. Eine ruhige Antwort und ein Themenwechsel können dann wesentlich hilfreicher sein als eine Diskussion.

 

Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft empfiehlt, unnötige Korrekturen und Diskussionen möglichst zu vermeiden und stattdessen die persönliche Wahrnehmung der betroffenen Person ernst zu nehmen.

 

Einfach und ruhig kommunizieren

 

Mit fortschreitender Demenz kann es schwieriger werden, längeren Gesprächen zu folgen oder mehrere Informationen gleichzeitig zu verarbeiten. Kurze und klare Sätze helfen deshalb häufig.

Im Alltag kann es unterstützen:

 

  • immer nur eine Frage oder Aufforderung auf einmal zu stellen,
  • möglichst einfache Wahlmöglichkeiten zu geben, zum Beispiel „Möchtest du Tee oder Kaffee?“,
  • Blickkontakt aufzunehmen und genügend Zeit für eine Antwort zu lassen,
  • ruhig zu sprechen und Gestik oder Berührungen unterstützend einzusetzen.

Wichtig ist dabei, den Menschen weiterhin als erwachsene Person anzusprechen. Eine Demenz verändert Fähigkeiten, aber nicht die Würde eines Menschen.

 

Vertraute Abläufe geben Sicherheit

 

Ein geregelter Tagesablauf kann Menschen mit Demenz dabei helfen, sich besser zurechtzufinden. Gewohnte Essenszeiten, feste Rituale und eine vertraute Umgebung schaffen Orientierung.

 

Auch kleine Hilfen können einen großen Unterschied machen. Eine gut sichtbare Uhr, ein Kalender, beschriftete Türen oder immer gleiche Plätze für wichtige Gegenstände können den Alltag erleichtern.

 

Gleichzeitig sollte möglichst viel Selbstständigkeit erhalten bleiben. Nur weil etwas länger dauert oder nicht mehr ganz so gelingt wie früher, muss es nicht sofort vollständig übernommen werden.

 

Bekannte Tätigkeiten können außerdem Halt geben. Gemeinsam den Tisch decken, Wäsche zusammenlegen, spazieren gehen, Musik hören oder alte Fotos anschauen sind einfache Möglichkeiten, Menschen mit Demenz einzubeziehen und vorhandene Fähigkeiten zu erhalten.

 

Was tun bei Unruhe oder Aggression?

 

Manchmal reagieren Menschen mit Demenz plötzlich gereizt, ängstlich oder aggressiv. Hinter diesem Verhalten können ganz unterschiedliche Ursachen stecken: Schmerzen, Überforderung, Müdigkeit, eine ungewohnte Umgebung oder schlicht das Gefühl, eine Situation nicht zu verstehen.

 

In solchen Momenten hilft es meistens wenig, dagegen zu argumentieren.

Besser ist es, möglichst ruhig zu bleiben und herauszufinden, was die Person gerade belastet. Manchmal reicht bereits ein ruhigeres Umfeld, ein bekanntes Lied, eine kurze Pause oder ein Wechsel des Themas.

 

Wird eine Situation körperlich bedrohlich, steht die eigene Sicherheit natürlich an erster Stelle. Angehörige sollten Abstand schaffen und sich gegebenenfalls Unterstützung holen. Wiederkehrende starke Verhaltensänderungen sollten zudem ärztlich abgeklärt werden.

 

Auch Angehörige brauchen Unterstützung

 

Einen Menschen mit Demenz zu begleiten, kann viele gemeinsame Momente schaffen – gleichzeitig kann es aber auch sehr anstrengend sein. Besonders wenn Angehörige dauerhaft Verantwortung übernehmen, geraten die eigenen Bedürfnisse schnell in den Hintergrund.

 

Unterstützung anzunehmen ist deshalb wichtig. Ambulante Pflege, Betreuung, Tagespflege oder andere Entlastungsangebote können dabei helfen, den Alltag gemeinsam zu bewältigen und Freiräume für Angehörige zu schaffen.

 

Denn im Umgang mit Demenz geht es nicht darum, jede Situation perfekt zu lösen. Oft sind Geduld, Verständnis und das Gefühl von Sicherheit viel wichtiger als die richtige Antwort.

 

Unser Tipp

 

Versuchen Sie nicht, den Menschen immer wieder in unsere Realität zurückzuholen. Versuchen Sie vielmehr zu verstehen, wie sich die Situation für ihn gerade anfühlt. Manchmal verändert genau dieser Perspektivwechsel den gesamten Umgang miteinander.